Montag, 31 Oktober 2016 23:12

Beelitz Heilstätten

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Beelitz Heilstätten!

Seit vielen Jahren bekannt als einer der beliebtesten Lost-Place´s in Deutschland, zeitweise sogar Anlaufgebiet für Fotografen aus der ganzen Welt.

Nun sind die Beelitzer-Heilstätten zum Teil in Privatbesitz und wieder ein großer Sammelplatz für Menschen aus aller Welt, jedoch eher für den Tourismus. Lest in den folgenden Zeilen, was ich als alter Lost-Place Fotograf darüber denke und bekommt ein paar meiner eigenen Eindrücke zu den Beelitz Heilstätten.

 

 

 

Mitte 2008 war es, genauer gesagt im Juli. Ich bin mittlerweile viel unterwegs im Bereich der Fotografie, besonders auf Tuningtreffen zog es mich immer wieder nur von Lost-Place hörte ich noch nicht viel. Nur an diesem Tag änderte sich mein Hauptgebiet stark durch einen sehr großen Zeitungsartikel. 

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Eine bekannte Freundin, die ich oft auf Partys getroffen habe, war groß in düsterem Outfit in einem Zeitungsbericht zu sehen mit der Überschrift "Tod in den Heilstätten!" Auf die Geschichte dazu selber möchte ich hier nicht weiter eingehen, doch bewegte mich dieser doch sehr spezielle Fall so stark, das ich viel recherchierte und zu guter letzt in die Modelkartei fündig wurde. So lernte ich dort einen Fotografen kennen, der vor ihrem Tod am gleichen Tag / Wochenende mit ihr geshootet hat.
 
Nach sehr vielen Gesprächen mit dem Fotografen erhielt ich persönlich und unter meinen Augen vorbehalten ein Bild vom letzten Set mit ihr. Dies bewegte mich damals sehr und ich beschloss an einem Samstag spät Abends dort hin zu fahren und mir ein Bild der Beelitz Heilstätten zu machen. Erst wollte ich am Tage dort hin schauen, doch war viel abgesperrt und auch der Wachschutz war durch diesen Fall sehr aktiv geworden vor Ort. Also ging es im Dunkeln in die Räumlichkeiten, ausgestattet mit einer Taschenlampe und kleiner Kamera und ich suchte den Raum, wo das Bild entstanden ist, da ich keine Beschreibung erhalten habe und ich wusste nur, das es in der Chirurgie sei.
 
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An der damals noch hängenden OP-Lampe hielt ich mich noch nicht lange auf, da es mich weniger interessierte, ich aber schon verblüfft war. Im Keller dann fand ich nach langem Suchen den Raum, eine Liege stand drin, dahinter ein aufgemalter Junge mit Axt in der Hand. Die Tränen kamen sehr schnell und vor allem unbewusst und ich fuhr richtig runter, kehrte sehr in mich und der Moment fühlte sich einfach sehr komisch an. Klar, es war mitten in der Nacht, ich ganz alleine in einem riesen Komplex, überall knirschte und knarrte es doch war es einfach das sehr bedrückende Gefühl, das "sie" hier ihre letzten Bilder machen ließ.
 
Der Moment verlief sehr sehr langsam und ich war wie in Trance was sich erst viel später zu Hause wieder legte. Die Tage verliefen und ich dachte auch immer wieder nur an die Location an sich, die mich wie in ihrem Bann gezogen hat. Nicht viele Tage verliefen und ich fuhr am Tage hin um mir alles genauer anzuschauen und so merkte ich, wie groß diese Location war, da es sich hierbei eher um ein eigenes Dorf handelt als einem Komplex. Viele Wochenenden war ich vor Ort, da ich auch nicht weit entfernt von dort wohnte und so wurden die Heilstätten fast schon zu meinem zweiten Wohnsitz.
 
Vor Ort traf ich mit den Tagen auch immer mehr Fotografen, mit denen man Tips und Ecken austauschte und so kam das Hobby "Lost-Place" speziell "Urbex" bei mir zustande.

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Mit den vergangenen Besuchen spürte man aber auch deutlich den kommenden Ansturm Jugendlicher und Abenteurern. So stieß ich immer häufiger vor Ort auf meist Männern, die mit Gaspistolen, Gotchawaffen und Messern stolzierten und immer häufiger hörte man auch Randalierer, die einfach alles zerstörten was sie sahen. Eigentlich traurig, nur was soll man machen, es war nur eine Frage der Zeit und so verkamen mit der Zeit die Heilstätten immer und immer mehr. Kaum noch eine Ecke, wo keine Zerstörung zu sehen war und so wurden die Heilstätten immer weniger Anlaufpunkt für Fotografen.
 
Fast schon vergessen, fand sich ein Investor für die Heilstätten und inzwischen fängt man laut Informationstand an, die Gebäude zu sanieren für Foto- und Videozwecke. Ob da etwas dran ist, kann ich aus dem jetzigen Stand leider nicht sagen. Doch auch gibt es jetzt einen Baumkronenpfad, der über die Ruine der Heilstätten führt und man in 25Meter Höhe Übersicht zu allem hat. Nur ist das überhaupt interessant? 
 
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Ich konnte mir kaum ein Bild davon machen, so fuhr ich hin und besuchte die Heilstätten wieder! Direkt an der Autobahn ragt mit einmal ein Kreisverkehr aus dem Boden und führt ab zu einem Parkplatz direkt zum Baumkronenpfad. Die Parkplatzkosten sind sehr überschaubar mit 2€ ohne Zeitbegrenzung. Am Parkplatz angekommen sah ich, wie viele Fahrzeuge doch dort stehen, gar Busse waren zu sehen. Das Auto abgestellt, ging es einem kleinen Pfad nach oben und man erreichte direkt die Chirurgie mit Blick auf die alten OP-Säale. Schöne Wege wurden errichtet und man sah, wie viele Menschen vor Ort sind um sich das anzuschauen. An den Gebäuden selber kommt man kostenfrei ran, jedoch nicht rein. So sind alle Gebäude komplett angezäunt, jedoch kann man über Führungen die Gebäude betreten. Eine Führung geht etwa 1 Stunde und kostet 4€ zum Eintrittspreis. Der Eintrittspreis hierbei ist jedoch nur der Eintritt zum Baumkronenpfad, der für einen Erwachsenen 9.50€ kostet. Somit muss man für eine Führung mit 13.50€ rechnen was aber ein guter Preis ist, denn so kann man auch den Baumkronenpfad komplett begehen der es auch in sich hat.
 
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Die Umsetzung des Projektes ist aus meiner ersten Ansicht sehr gut, so hat man sichtbar viel investiert um die Heilstätten sicher zu machen, auch finden sich zu jedem Gebäude Informationstafel mit der Geschichte zum Gebäude und Bilder von innen, heute und früher. Sicher sehr spannend für jedermann. Ich bin selber sehr gespannt, was einem dort in Zukunft erwartet.
 
Jetzt bleibt natürlich die Frage, ob das so gut ist oder nicht, was es bringt. Ich persönlich finde das eine tolle Sache, so schützt man die Heilstätten vor dem kompletten Zerfall und gibt jedem die Möglichkeit, diese zu betrachten und derer Geschichte näher zu kommen. Erschrocken hat mich nur der sehr hohe Ansturm der Touristen/Interessenten was für Ende Oktober sehr hoch war und man lange an der Kasse angestanden hat. Da kann ich mir denken, das es im Sommer und gerade in der Ferienzeit verdammt voll wird.

Alles in allem ein sehr tolles Projekt und man hofft darauf, das es die Heilstätten auf langer Zeit schützt und vor dem Zerfall schützt und rettet.

Alle weiteren Informationen könnt ihr hier erhalten: Baum & Zeit

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